Die US-Kampftruppen verlassen den Irak – mitten in einer Welle gezielter Morde und Entführungen. Niemand ist mehr sicher vor den Killerkommandos, die nachts mit schallgedämpften Pistolen kommen und kleine magnetische Sprengladungen an Haustüren, Gartentoren oder unter Autos platzieren.
Wahllos trifft es Familien von Politikern, Polizisten, Scheichs, gemäßigten Klerikern, Offizieren oder Ärzten. Jeder, der für den irakischen Staat arbeitet und sich für demokratische Verhältnisse einsetzt, gilt als Ziel. „Wir lebten wie in einem Gefängnis“, sagt ein pensionierter Mathematiklehrer, der zusammen mit Frau und Tochter ins jordanische Amman geflohen ist. „Die Gefahr ist überall und überhaupt nicht greifbar.“ Die Flucht sei der Familie sehr schwergefallen. „Aber wir haben es nicht mehr ausgehalten, so konnten wir einfach nicht weiterleben.“
Auch mit der politischen Situation geht es bergab. Fünf Monate nach den Wahlen ist immer noch keine neue Regierung in Sicht. Das Parlament hat sich nach einer einzigen zwanzigminütigen Sitzung auf unbestimmte Zeit vertagt. Die beiden Hauptrivalen, Ex-Premier Iyad Allawi und der bisherige Regierungschef Nuri al Maliki, sind hoffnungslos zerstritten.
Quelle: Tagesspiegel
Anmerkung Orlando Pascheit: Was einmal als Krieg gegen den Terror begann, endet als Brutstätte des Terrors.