
Der Arbeitskampf beim Betonwerk Westerwelle ist nach 14 Wochen beigelegt, der Betriebsrat im Amt. Doch wirklich verändert hat sich wenig.
Ein erschreckender Einblick in die frühkapialistische Welt des allseits gerühmten Mittelstandes.

Der Arbeitskampf beim Betonwerk Westerwelle ist nach 14 Wochen beigelegt, der Betriebsrat im Amt. Doch wirklich verändert hat sich wenig.
Ein erschreckender Einblick in die frühkapialistische Welt des allseits gerühmten Mittelstandes.
Die Firma W. Westerwelle GmbH & Co. KG ist das, was die Mittelstandsvereinigung der CDU »das Rückgrat der deutschen Wirtschaft« nennt: ein mittelständisches Familienunternehmen. 1955 von Wilhelm Westerwelle gegründet und 1985 von dessen Sohn Manfred übernommen, wird der Betrieb aktuell in der dritten Generation vom Enkel, dem 28jährigen Kai-Uwe Westerwelle, geleitet. Seit sich die Firma auf die Produktion von Winkelstützen spezialisiert hat, laufen die Geschäfte gut, trotz Krise. In der Region ist das Unternehmen sogar Marktführer.
Weniger als der Familientradition ist man jedoch den Beschäftigten verpflichtet. Für den Geschäftsführer gelte: »Wer gut arbeitet, bekommt ein paar Cent mehr, wer nicht, dem nehme ich ein paar Cent weg«, so Stümer. Ein gelernter Arbeiter in der Produktion wird bei Westerwelle mit neun bis 11,50 Euro pro Stunde entlohnt – nach Tarif müßten es 13 bis 14 Euro sein.
Anfang April wählte die Belegschaft mit Unterstützung der IG BAU eine Tarifkommission. Noch am selben Tag erhielten alle sechs Mitglieder ihre Kündigung, per Eilbote.
Vom 13. April bis zum 15. Juli standen die beiden gemeinsam mit 18 Kollegen fast täglich von acht bis 14 Uhr an der Bundesstraße vor dem Hauptbüro des Betonherstelles W. Westerwelle im westfälischen Herford. Am Freitag vor zwei Wochen wurde der Ausstand beendet. Das örtliche Arbeitsgericht hatte tags zuvor die Geschäftsleitung zur Wiedereinstellung der Entlassenen verpflichtet. Bei Zuwiderhandlung wurde Vollzugshaft angedroht.
Quelle: junge Welt
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