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Die neuen Streiks im Sozialwesen

Veröffentlicht am 10.01.2018 in Soziales & Familie

Ihr Berufsethos hält Pflegekräfte und Erzieherinnen nicht mehr von Arbeitskämpfen ab – im Gegenteil. Erstmals seit vielen Jahren könnte es in den nächsten Wochen mal wieder zu einem größeren Streik in der Metallindustrie kommen.

Doch der Trend ist ein anderer: Wenn es hierzulande in den vergangenen Jahren Arbeitskämpfe gab, dann zumeist im Dienstleistungs- oder Transportbereich. Ein im VSA-Verlag erschienener Sammelband widmet sich einem Teil dieser Entwicklung: den »Sorge-Kämpfen«, Auseinandersetzungen in Krankenhäusern, im Sozial- und Erziehungsdienst oder in der Behindertenhilfe, der sogenannten Care-Arbeit.
Karina Becker, Yalcin Kutlu und Stefan Schmalz von der Uni Jena stellen in einem Beitrag fest, dass es sich um eine vergleichsweise neue Entwicklung handelt: »Lange ließen sich im Bereich der Care-Arbeit kaum kollektive Formen des Widerstands festmachen – obwohl (…) die Beschäftigten alles andere als zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind.« Dafür verantwortlich gemacht wurde zumeist das spezielle Berufsethos der Pflegekräfte und Erzieherinnen. Diese seien »Prisoners of love« – ihr hohes Verantwortungsgefühl für Patienten und Betreute halte sie davon ab, sich gemeinsam für ihre eigenen Interessen einzusetzen. Und in der Tat waren Erzwingungsstreiks in Krankenhäusern und Kitas lange nahezu undenkbar. Tarifverträge wurden in der Regel von den »schweren Bataillonen« der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, den Müllwerkern und Busfahrern, durchgesetzt, die dann auch in den meisten Gesundheits- und Sozialeinrichtungen galten.
»Die aktuellen Konflikte in den Sozial- und Erziehungsdiensten und den Krankenhäusern deuten jedoch darauf hin, dass sich diese eher traditionellen Strukturen aufzulösen beginnen«, so die Jenaer Soziologen.
Quelle: junge Welt

 

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