Das neue Gelöbnis einiger amerikanischer Milliardäre, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden, ist eine völlig rationale Entscheidung. Auch zugunsten der eigenen Kinder. taz-5.8.2010
Das neue Gelöbnis einiger amerikanischer Milliardäre, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden, ist eine völlig rationale Entscheidung. Auch zugunsten der eigenen Kinder. taz-5.8.2010
40 Superreiche aus den USA, die meisten von ihnen mehrfache Milliardäre, habe sich dem neuen Gelöbnis bereits angeschlossen. Darunter finden sich Namen wie der CNN-Gründer Ted Turner, David Rockefeller, "Star Wars"-Erfinder George Lucas und die Designerin Diane von Fürstenberg. Gates und Buffet haben angeblich einfach die Liste der Superreichen in den USA nacheinander durchtelefoniert. Die Mitgliedschaft in der Initiative verpflichtet juristisch zwar zu nichts und niemand sammelt konkret Geld. Es handele sich aber um ein "moralisches Commitment", heißt es auf der Homepage der Initiative. Das Spenden- und Stiftungsverhalten der Superreichen kann schließlich im Nachhinein überprüft werden.
Wo was gespendet wird, können die Superreichen selbst bestimmen. Bill Gates und seine Frau Melinda, geschätzte 50 Milliarden Dollar schwer, haben einen Großteil ihres Vermögens bereits gestiftet, vor allem für wohltätige medizinische Zwecke. Auch der US-Milliardär Warren Buffet, 47 Milliarden Dollar reich, hat angekündigt, seinem Nachwuchs nur einen Bruchteil seines Reichtums zu vererben, denn seine drei Kinder "müssen arbeiten", wie Buffet betont.
Nun unterhalten viele Superreiche in den USA bereits vielfältige Stiftungen und haben mit der neuen Initiative jetzt nur eine Plattform, um das öffentlich zu machen. Auch können Spenden öffentliche Sozialausgaben nicht ersetzen. Halten die Leute ihre Zusagen ein, könnten mehr als 100 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke zusammenkommen. Die US-Gesundheitsreform kostet ein Vielfaches.
Es handelt sich für die Superreichen aber letztlich um ein rationales Tauschgeschäft. Denn erstens behalten sie mit den Stiftungen die Zuteilungsmacht über das gespendete Vermögen, das sonst zu einem gut Teil von der Steuer kassiert würde. Die Familien bringen zudem keine spürbaren materiellen Opfer: Die Bloomberg-Erben etwa bleiben reich, denn ein Prozent von 18 Milliarden Dollar sind immer noch 180 Millionen. Die Familie bekommt durch das Spenden einen emotionalen Mehrwert, eine moralische Aufwertung, einen Imagegewinn zurück.
Psychologisch betrachtet, können diese Superreichen mit Geld ohnehin kaum noch etwas tun, um ihr persönliches Glück zu steigern.
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