Die Mär vom Weltmeister im Sparen
Die Sparquote in der Bundesrepublik ist hoch. Doch nur wenig Deutsche legen so viel Geld zurück, wie die Statistik suggeriert.
Bei Haushalten mit einem Nettoeinkommen von weniger als 900 Euro im Monat liegt die Quote laut Statistischem Bundesamt bei minus zwölf Prozent. Das heißt: Wer sehr wenig verdient, kann in Deutschland nicht auf Erspartes zurückgreifen, er muss vielmehr meist auf Pump leben.
Bei einem Einkommen bis 1300 Euro ist der Wert mit minus 0,5 Prozent immer noch negativ, erst bei einem Nettoverdienst zwischen 1300 und 1500 Euro erreicht die Quote mit plus 0,5 Prozent positives Terrain.
“Die Zahlen verdeutlichen, wie schwer es für weite Teile der Bevölkerung ist, eine private Altersvorsorge aufzubauen”, sagt der FDP-Finanzexperte Volker Wissing, der eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung gerichtet hat. Danach steigt die Sparquote mit wachsendem Einkommen rapide an: von 4,5 Prozent bei einem Verdienst zwischen 2000 und 2600 Euro über neun Prozent (2600 bis 3600 Euro) bis zum Spitzenwert von knapp 22 Prozent bei einem Nettoeinkommen zwischen 5000 und 18.000 Euro. Besserverdiener können also jeden fünften Euro, den sie verdienen, zur Seite legen.
Wie aus der Antwort der Regierung auf Wissings Anfrage hervorgeht, ist das Sparvermögen der Deutschen zwischen 1998 und 2007 von durchschnittlich 52.200 auf 75.800 Euro pro Haushalt gestiegen. Auffällig dabei ist, dass der Wert zwischen 2000 und 2002 praktisch stagnierte, ausgerechnet von 2003 an, als die Wirtschaft in der Krise steckte und die Arbeitslosigkeit deutlich anstieg, aber mit Raten zwischen sechs und zehn Prozent pro Jahr wuchs. Eine Erklärung dafür liefert die Regierung nicht.
Quelle: Süddeutsche Zeitung