Sind die Westler verrückt geworden? Was ist los? Haben Theresa May und Boris Johnson, die beiden überforderten Briten, den Verstand verloren? Sie geben selber zu, dass sie keine letzte Gewissheit über die Vergiftung dieses russischen Ex-Spions und seiner Tochter haben. Trotzdem blasen sie jetzt zum kalten Weltkrieg gegen Putin und den Kreml. Und erstaunlich viele machen mit.
Es fällt auf, dass die regierungsnahe konservative Presse seit Jahren gegen Putin und die Russen einheizt. Dass May und Johnson die Spionageaffäre jetzt zum Anlass nehmen, wissentlich einen diplomatischen Schauprozess vom Zaun zu reissen, hat aus Sicht dieses Editorials vor allem interne Gründe. Die angeschlagenen, durch ihren eigenen Brexit verwirrten Tories scheinen sich an Putin politisch aufrichten, gesundstossen zu wollen. Es geht auch um Ablenkung und Aufplusterung. Die Kriegsfuchtel ist eine mächtige Droge. Sie betäubt und berauscht zugleich.
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Es ist bemerkenswert, wie führende Zeitungen hungrig mitjubeln auf diesen «Gerichtshöfen der Moral». Ohne jeden Beweis und ohne Prozessordnung befeuern sie einen neuen kalten Krieg. Es ist ein deprimierendes Spektakel.
Quelle: Weltwoche.ch
Anmerkung unseres Lesers C.W.: Trotz der schweizerischen Sichtweise ein erfrischend ehrlicher und direkter Kommentar in Sachen ‘Skripal’, wie man ihn in einer der deutschen Leitgazetten wohl kaum finden würde.