Anders als bisherige Studien ist der Ökonom Klaus Bartsch zu dem Ergebnis gekommen: Ein Mindestlohn könnte bis zu 600.000 Jobs schaffen. Sein Hauptargument: steigende Nachfrage. “Menschen mit niedrigem Einkommen geben praktisch jeden zusätzlichen Euro vollständig aus”, heißt es in dem Gutachten von Bartschs Büro Econometrics. Deshalb würde ein Mindestlohn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ankurbeln, was wiederum der Beschäftigung zugute komme.
Zeitverzögert würden auch die Löhne oberhalb der Mindestlohnschwelle stärker als bislang steigen, weil Gewerkschaften eine größere Verhandlungsmacht hätten. Auch Rentner bekämen mehr Geld, denn ihre Bezüge sind an die Löhne gekoppelt. Das Exportvolumen sinke zunächst, weil die Wettbewerbsfähigkeit unter den steigenden Einkommen leide. Dieser Nachteil verschwinde aber wieder. Der Grund: Wenn in der größten Volkswirtschaft der Eurozone die Gehälter steigen, dann folgten die anderen Länder diesem Trend.
In seiner Simulation geht der Volkswirt davon aus, dass der Mindestlohn nach 2011 weiter moderat steigt. Bis 2020 würden dann insgesamt schätzungsweise neun Millionen Beschäftigte von der Lohnuntergrenze profitieren.