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Hunger durch Spekulanten

Veröffentlicht am 25.10.2008 in Soziales

Nicht nur die Finanzmärkte sind krisengebeutelt, auch auf dem Lebensmittelsektor geht es hoch her. In zahlreichen Ländern explodieren die Preise für Grundnahrungsmittel, der Hunger treibt die Menschen auf die Straße. Regierungen versuchen, die Unruhen mit schnell wirksamen Maßnahmen besänftigen.

Hungerkrise dank globalisierter Landwirtschaft
Nicht nur die Finanzmärkte sind krisengebeutelt, auch auf dem Lebensmittelsektor geht es hoch her. In zahlreichen Ländern explodieren die Preise für Grundnahrungsmittel, der Hunger treibt die Menschen auf die Straße. Regierungen versuchen, die Unruhen mit schnell wirksamen Maßnahmen besänftigen. Mit unterschiedlichem Erfolg: In Haiti wurde die Regierung bereits gestürzt, in Somalia wurden die Hungernden von Soldaten in Schach gehalten, Indonesien rettet mit seinem Exportstopp die eigenen Vorräte, aber verstärkt die Not in anderen Ländern.

Die katastrophale Dimension der Lebensmittelteuerung ist auch bei den politisch Verantwortlichen angekommen: G8 und Weltwirtschaftsforum, Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) äußern sich besorgt und diskutieren über Maßnahmen. Doch gerade diese Organisationen sind es (neben der zuletzt sich selbst blockierenden Welthandelsorganisation WTO), die - mit Unterstützung der EU und der deutschen Bundesregierung - seit Jahrzehnten die systematische Vernichtung kleinbäuerlicher Existenzen vorantreiben.

So hat der IWF die Entwicklungsländer mit Strukturanpassungsmaßnahmen dazu gezwungen, ihre gesamte Landwirtschaft auf den Export auszurichten und für billige Importe zu öffnen. Großflächige Monokulturen verdrängen den Anbau für den Eigenbedarf sowie lokale Märkte; Billigimporte rauben den Landwirten ihre Existenz. Durch ihre wirtschaftliche Abhängigkeit sind viele Staaten inzwischen unfähig, ihre Bevölkerung mit eigenen Mitteln zu versorgen. So wurde ein höchst anfälliges System geschaffen von Plantagenländern, Großkonzernen, Dumpingpreisen und dem Börsenkarussell. Das System steckt in der Krise, die Menschen in den Erzeugerländern trifft sie doppelt.

Doch auf der internationalen Bühne werden keine Ursachen geprüft, die "große Politik" verordnet lieber mehr derselben Medizin: Mehr Marktzugang, mehr Konzernmacht, mehr industrielle Landwirtschaft, mehr Chemie und Gendreck auf den Feldern. Und gegen akute Notlagen gibt es Lebensmittelspenden. Diese Strategie würde die Situation absehbar verschlimmern. Nötig ist eine grundlegende Umsteuerung der internationalen Handels- und Agrarpolitik in Richtung Ernährungssouveränität – und zwar möglichst schnell!

 

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