Stanley McChrystal, Obamas oberster Befehlshaber in Afghanistan, übernahm das Kommando, ohne dabei die wirklichen Feinde aus dem Auge zu verlieren: die Schlappschwänze im Weißen Haus.
Was wollen und sollen unsere Soldaten bei diesen Verrückten bzw. in Afghanistan?
Die Reportage von Michael Hastings, die online bereits erschienen war, liegt seit Freitag in gedruckter Form vor und jetzt auch online gekürzt auf deutsch. Die Frage, was den General dazu gebracht hat, ohne Auflagen diesen provokanten Text möglich zu machen, beantwortet der Artikel nicht. Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass McChrystal nicht wusste, dass „Rolling Stone“ mehr als Musikmagazin ist. Das linksliberale Magazin setzte sich schon immer mit der jeweiligen Politik der Regierungen auseinander. Seine Irak-Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet. Aber auch in der Wirtschaftskrise hielt sich das Magazin nicht zurück und nahm Goldman Sachs und sein Geschäftsgebaren in das Visier. Vor diesem Hintergrund kann durchaus angenommen werden, dass der General seinen Rausschmiss bewusst provoziert hat. An einer Stelle des Berichts reagiert McChrystal auf eine vernichtende Analyse des US-Botschafter Eickenberry. Er fühle sich “verraten” und unterstellt Eickenberry, dass er nur an die Geschichtsbücher denke. “Sollten wir versagen, kann er dann leichten Herzens sagen: Ich habe es ja schon immer gewusst’.” Wahrscheinlich wollte auch McChrystal nicht eines Tages als der General dastehen, der mit seiner Strategie den unrühmlichen Abzug aus Afghanistan zu verantworten hat. Die Entsendung von 30 000 zusätzlichen Soldaten ist auf sein Drängen, er ist damit sogar an die Öffentlichkeit gegangen, beschlossen worden. Was die Offensive in der Provinz Helmand gebracht hat, weiß außer den Militärs niemand, und die hängen es bezeichnenderweise nicht an die große Glocke, was sie ansonsten mit jedem getöteten Taliban tun. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan in den vergangenen Monaten nicht verbessert, sondern dramatisch verschlechtert. Der Juni ist mit 79 Toten bereits heute der verlustreichste Monat für die Alliierten seit dem Einmarsch 2001. Der Aufschub der alles entscheidende Großoffensive in Kandahar, spricht Bände.