Sie gilt als großer Erfolg im Kampf gegen die Wirtschaftskrise: Die Kurzarbeit. Nun steigt die Zahl der Betrugsfälle rasant an. Der Verdacht: Unternehmer zwingen ihre Mitarbeiter, trotz Antrag voll weiterzuarbeiten. Das Kurzarbeitergeld rettet nicht nur Menschen vor der Arbeitslosigkeit. Es weckt auch Begehrlichkeiten. Nach der Abwrackprämie rollt die nächste Abzockwelle an.
Wie bei der Verschrottungsprämie soll die Hilfe “schnell und unbürokratisch” bei den Betrieben ankommen, wie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sagt. Das heißt: keine lange Prüfung, wenig Kontrollen. Betrug und Missbrauch werden so leicht. In diesem Jahr wurden bereits 1,5 Mrd. Euro an Kurzarbeitergeld ausgezahlt, allein im Juli wird es deutlich mehr sein als 2008 insgesamt.
Auf die Gesamtheit der Unternehmen gesehen sind 98 Fälle von mutmaßlichem Missbrauch keine extrem hohe Zahl. Aber der Anstieg ist alarmierend. Binnen vier Wochen hat sich die Zahl der Ermittlungen verzehnfacht. Und das ist erst der Anfang, vermuten Staatsanwälte. Wenn erst mal die Entlassungswelle komme, würden viele Arbeitnehmer nachträglich ihren Chef anschwärzen, so die Erwartung. Möglichkeiten zum Betrug gibt es viele. “Die Kreativität der Arbeitgeber hat zugenommen, Fälle zu konstruieren, die an der Grenze des rechtlich Möglichen liegen”, sagt Werner Eichhorst vom Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Auch er hat von diversen Betrugsversuchen gehört. “Unternehmen beantragen Kurzarbeit, aber nötigen ihre Mitarbeiter, voll weiterzuarbeiten. Es wird mehr getrickst als früher.”
Quelle: FTD