Offensichtlich findet die Mehrzahl der Journalisten in der Zusammenarbeit eines bestens in der Versicherungswirtschaft geerdeten Professors und einem Unternehmen, das bestens von privaten Rentenversicherungen lebt, nichts zu Beanstandendes. Als Optimist könnte man einfach von Gedankenfaulheit ausgehen, als Realist könnte man von Opfern der u.a. von ihnen selbst betriebenen Kampagne gegen die umlagefinanzierte Rente ausgehen und als Pessimist muß man davon ausgehen, dass Kapitalistendiener selbstverständlich die kapitalgedeckte Rente propagieren.
Die gesetzliche Rente reicht nicht
Man müsse ihn wie einen Erdkunde-Atlas nutzen, sagt Professor Bernd Raffelhüschen. Doch der neue Atlas ist weniger für Schüler als für Finanzfachleute und Politiker interessant. Zum ersten Mal hat Raffelhüschen mit seinem Team an der Uni Freiburg einen Überblick zur Altersvorsorge der Deutschen entwickelt. Die generelle Erkenntnis überrascht zwar nicht: Die gesetzliche Vorsorge reicht bei den meisten Bundesbürgern nicht aus. Doch mit einer Zusatzversorgung sind mehr als die Hälfte der Deutschen gut abgesichert.
Quelle: Tagesspiegel
Anmerkung: Nach der Welt berichten nun auch die FR, die FAZ, die SZ und der Tagesspiegel ohne den geringsten Ansatz einer Kommentierung oder gar der Kritik über diese “Untersuchung” von Bernd Raffelhüschen. Offensichtlich findet die Mehrzahl der Journalisten in der Zusammenarbeit eines bestens in der Versicherungswirtschaft geerdeten Professors und einem Unternehmen, das bestens von privaten Rentenversicherungen lebt, nichts zu Beanstandendes. Als Optimist könnte man einfach von Gedankenfaulheit ausgehen, als Realist könnte man von Opfern der u.a. von ihnen selbst betriebenen Kampagne gegen die umlagefinanzierte Rente ausgehen und als Pessimist muß man davon ausgehen, dass Kapitalistendiener selbstverständlich die kapitalgedeckte Rente propagieren. Was die Umfrage betrifft, geht es gar nicht so sehr um diese selbst, sondern um die Schlüsse, die daraus gezogen werden. Vor allem aber wird von der Union Investment und ihren Multiplikatoren in der Presse der Eindruck vermittelt, als ob das Absacken der umlagefinanzierten Rente auf das heutige und in der Zukunft noch weit beunruhigendere Niveau quasi ein natürlicher Prozeß gewesen sei und nicht politische Absicht. Die Konsequenz einer Unterversorgung kann nur die Umkehrung dieses Prozesses und die Stärkung der gesetzlichen Rente sein. Die NDS haben immer wieder von Meldungen aus aller Welt berichten müssen, wie sehr kapitalgedeckte Alterssicherungssysteme unter den beiden Finanzkrisen dieses Jahrzehnts gelitten haben - von Sicherheit keine Spur. Ansonsten bietet diese Umfrage reichlich Banales wie z.B. die Feststellung, dass Geringverdiener bei der Rente hinten liegen. Was sich mit einer auch von Union Investment initiierten Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa im März deckt: Der Anteil der Befragten, die über zu wenig verfügbares Geld für die staatliche unterstützte private Altersvorsorge klagen, sei im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozentpunkte auf 16 Prozent gestiegen. Davon wären wir wohl alle auch ausgegangen, bei der laufenden Zunahme von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung.