SPD Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz

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Das Blut der Kapitalisten fließt in Strömen!

Veröffentlicht am 17.11.2008 in Wirtschaft

Das Blut der schwarzen Schafe fließt in Strömen
Der Kapitalismus tritt zur großen Selbstreinigung an, um zu bleiben, was er ist.
Den Größen der Finanzwelt hingegen, die keine Jobsorgen kennen, hat es teilweise die Sprache verschlagen. Alan Greenspan bekundet vor dem US-Kongress “Schock und Unglauben” über das Ausmaß des Desasters, das er und seinesgleichen (mit) angerichtet haben. Kleinlaut tönt es aus den inneren Zirkeln renommierter Think Tanks, sie hätten leider auch keine Ahnung, was noch kommt, und wie es weiter gehen soll.

Selbst der Riesenstaatsmann Joschka Fischer, eine Galionsfigur der Ex-Linken, die vor der vermeintlichen Allmacht der Finanzmärkte auf dem Bauch gegangen sind, hat eine Schwafelpause eingelegt. “Was Karl Marx right?”, fragt die Times ihre Leser. Aber ja doch, meinten gut 48 Prozent.
Alle Welt schreit nun nach Regulierung und dem Staat als Retter aus großer Not. In Windeseile werden Hunderte von Milliarden Dollar mobilisiert, um die krachende Wall Street und das europäische Bankensystem vor dem Untergang zu retten. Aber wir haben nicht eine, sondern mehrere Krisen zugleich am Hals: Eine Weltfinanzkrise, eine Krise der Realwirtschaft, das heißt, eine klassische Überproduktions- und Überakkumulationskrise, eine Welthandelskrise, eine Weltagrar- und Hungerkrise und eine ökologische Krise, die Spielräume für jede mögliche Krisenpolitik entscheidend verengt. Eine Systemkrise des Kapitalismus, wie wir ihn kannten, und eine Legitimationskrise der besten aller Welten zugleich. Unter diesen Umständen klingen die zentralen Heilsbotschaften der neoliberalen Alltagsreligion nicht mehr so schmissig wie gewohnt. Neoliberalismus, das war´s - meint Joseph Stiglitz, enfant terrible des Establishments.
Also laufen die Propagandaapparate auf Hochtouren, als stünde die sozialistische Weltrevolution vor der Tür. Die Lobbyverbände der Finanzwirtschaft trommeln für den Erhalt “freier” Finanzmärkte, preisen Spekulation und Derivate, predigen die organisierte, aber freiwillige “Selbstregulierung”, orakeln das Schwarze vom Himmel herunter über die drohende Gefahr einer “Überregulierung” - genau dieselben Vereine, die noch vor wenigen Jahren mit Milliarden Dollar schweren PR-Kampagnen dafür gesorgt haben, dass der Handel mit Kreditderivaten in den USA von jeder Kontrolle und Regulierung befreit wurde. Zu glauben, die neoliberale Hegemonie sei vorbei, sang- und klanglos werde der Kapitalismus für besonders dumme Kerls von der Bühne verschwinden, ist zumindest voreilig.
Das alles Entscheiende aber wird sein, ob es gelingt, das vorläufige Ende des Neoliberalismus politisch zu nutzen. Da Millionen Menschen das ganz alltägliche Überleben im Kapitalismus noch schwerer gemacht wird als bisher, könnte der Sektor der alternativen, solidarischen, selbstverwalteten Ökonomie wachsen.

 

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