Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse von der SPD hat die Rechtsprechung der deutschen Arbeitsgerichte neulich barbarisch und asozial genannt.
Aber für die „Bagatellen“, dass Milliarden in den Teich gesetzt wurden, gehen die Verantwortlichen mit einer Millionenabfindung ab, für deren Höhe eine Kassiererin 1000 Jahre arbeiten müsste.
Arbeitsgericht: Präsidentin Schmidt “Diese Kritik war völlig daneben”
SZ: Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse von der SPD hat die Rechtsprechung der deutschen Arbeitsgerichte neulich barbarisch und asozial genannt. Er regt sich über etwas anderes auf: Dass man fristlos gekündigt werden darf, wenn man sechs Maultaschen mitnimmt.
Schmidt: Diese Kritik war völlig daneben. Seit Jahrzehnten sagt die Rechtsprechung: Diebstahl und Unterschlagung auch geringwertiger Sachen sind ein Kündigungsgrund. Es gibt in dem Sinne also keine Bagatellen. Jeder frage sich mal, wie viel er sich denn aus der eigenen Tasche nehmen lassen würde, bevor er reagiert. Wir Arbeitsrichter müssen aber prüfen, ob ein Arbeitgeber mit Recht sagen kann: Ich habe das Vertrauen in meinen Mitarbeiter verloren und will mich deshalb von ihm trennen. Oder wiegt das Interesse des Arbeitnehmers schwerer - sodass der Arbeitgeber angewiesen werden muss, den Mitarbeiter zu behalten?
Quelle: SZ
Anmerkung WL: Aber für die „Bagatellen“, dass Milliarden in den Teich gesetzt wurden, gehen die Verantwortlichen mit einer Millionenabfindung ab, für deren Höhe eine Kassiererin 1000 Jahre arbeiten müsste. Für die Wegnahme einer Maultasche bestimmt das „Bürgerliche Gesetzbuch“ offenbar eine Sanktion, die an die Existenz dessen geht, der den „Anstand“ verletzt hat. Schamlos unanständige Bankenmanager stehen aber offenbar über dem Gesetz.
Ergänzende Anmerkung V.B.: Oh ja, es ist halt Pech, auf der Seite der kleinen Leute geboren zu sein; wenn “man” dagegen eine Bank - zu Lasten des Steuerzahlers - “verzockt” (z.B. Hypo Real Estate, Hypo Alpe Adria ) - und Milliarden-Beträge dem Fiskus zur Bezahlung zuschiebt, dann wird “man” als Teil einer “ehrenwerten Gesellschaft” mit Millionen-Abfindungen nach Hause “entlassen” - und das ist dann “anständig”.
Moral ist eben eine Frage der Macht, das kann man zuletzt “schön” bei Wilhelm Schlötterer (”Macht und Missbrauch”) nachlesen. So wird die Gleichheit vor dem Gesetz zum bloßen Schein, verehrte Frau Bundesarbeitsgerichtspräsidentin!
Siehe dazu:
Das falsche Spiel der Investmentbanken
Im großen Stil haben Investmentbanken wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank ihren US-Kunden riskante Hypothekenpapiere verkauft. Das Perverse - und vielleicht sogar Kriminelle – daran: Die Institute hatten offenbar selbst kein Vertrauen in ihre Papiere und wetteten auf deren Wertverfall.