Gaucks Freiheitsidee stammt aus seiner DDR-Zeit und ist der politischen Realität entrückt. Damit ist er nicht gerüstet für Probleme wie Bildungsgerechtigkeit oder Finanzkrise. Er ist ein Freiheitsapostel, kein Freiheitsgestalter.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Joachim Gauck wird das Amt des Bundespräsidenten kraft seiner Persönlichkeit rehabilitieren. Doch er gehört auch zu jenen Charismatikern, die das unrealistische Bild einer höheren Moral abseits der Politik nähren. Anmerkung JK: Ein sehr lesenswerter Kommentar von Andreas Zielke aus der Wochendausgabe SZ, der sich mit Gaucks Freiheitsbegriff auseinandersetzt. Zielke weist hier zu recht auf den politisch unreflektierten und verkürzten Freiheitsbegriff von Gauck hin. Er reflektiert ebenso, wieder zurecht, die Ursachen der breiten Zustimmung zu Gauck, die neben der Propaganda der Mainstreampresse (das sagt Zielke natürlich nicht), wohl auch dem quasi religiösen Wunsch nach einer charismatischen, über den Niederungen der Politik schwebenden – und damit eigentlich undemokratischen – Führerfigur entspringt. Einzig vermag ich, anders als Zielke, allerdings nicht zu erkennen wie sich Gauck damit als »Katalysator erneuerter Freiheitsenergien erweisen« könnte. So ganz ohne Gauck-Hype geht es auch hier nicht.