Der Verteidigungsminister spricht wieder einmal von "Krieg", wo zuvor nur verdruckst von einem "Stabilisierungseinsatz" oder einem "bewaffneten Konflikt" die Rede war. Da tut sich was. Aber was?
Wohin treibt die politische Klasse unser Land und die Bundeswehr? Das tägliche Geblubber der geölten Berliner Inszenierungsmaschinerie ist nur schwer zu ertragen!
taz, Berlin - Kommentar in Auszügen
In einem Papier zur Sicherheitspolitik konstatiert sich die Bundeswehr zwar selbst eine "breite Unterstützung" der Bevölkerung. Aber: "Dagegen nimmt die Zustimmung für konkrete Kampfeinsätze deutlich ab. In einigen Bevölkerungsgruppen gibt es erkennbare Vorbehalte für den offensiven Gebrauch militärischer Mittel. Durch pro-aktive Kommunikation sollte die Bundeswehr diese Bedenken zerstreuen." Seltsam nur und fast schon rührend, dass diese "pro-aktive Kommunikation" dann doch nur den Blick auf hilflose militärische Rituale mit ihrem "weihevollen Ernst" lenkt, posthume Ordensverleihung inklusive. Wir erfahren, dass die Spürpanzer "Fuchs" heißen und mit den Leichen gravitätisch "langsam" auf den Platz fahren, dass die Särge hübsch geschmückt sind, der Trompeter "Ich hatt einen Kameraden" spielte, ein paar Soldaten den schwarzen Stoff für ihren Trauerflor erst in der Stadt einkaufen mussten und allerlei verstörenden Quatsch mehr.
Die beim "heimtückischen Hinterhalt" von deutschen Soldaten getöteten afghanischen "Hilfskräfte" werden in Nebensätzen beerdigt. Schließlich geht es hier um die Deutschen und ihre Trauer, wie die Bild-Zeitung im bewährten Stil eines Landser-Heftchens unterstreicht: "Als die Maschinen abheben, grüßen die Fallschirmjäger ein letztes Mal militärisch ihre toten Kameraden. Als die schweren CH-53-Helikopter am Horizont verschwinden, lassen einige ihren Tränen freien Lauf, liegen sich in den Armen, suchen nach Trost."
Vielleicht suchen "einige" ja auch nach Erklärungen, für die in der "proaktiven Kommunikation" kein Platz ist. Der geht für wohlfeile Lügen drauf, wie sie der Kommandeur vom Stapel lässt: "Unsere drei gefallenen Kameraden haben sich für ihren Einsatz in Afghanistan entschieden, um einen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes zu leisten." Wirklich? Um einen Beitrag zum Wiederaufbau? Nicht um steuerfreie Risikozuschläge auf den Sold? Oder wenigstens ein bisschen Abenteuer? Wäre ja nichts Schlimmes und würde weiterhelfen in einer echten Debatte über Sinn, Unsinn, Ziele und Möglichkeiten dieses Einsatzes. Anstelle dieser Debatte aber erleben wir nur ihr Gegenteil, ein ebenso massives wie dümmliches Werben um Anteilnahme und Ehrerbietung. Wahrscheinlich sind die drei Soldaten ja dafür gestorben: Propaganda.